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Die Yoga-Lehre im Kulturellen
Zusammenhang
Die materialistisch naturwissenschaftliche Orientierung des Denkens im 20. Jahrhundert hat
mit der Industrialisierung eine technologische Dimension geschaffen, die uns global vor
Augen führt, welche Gefahren es birgt, Natur und Kosmos einzig als für den Menschen
nutzbringend zu begreifen. Ökologische Katastrophen grassieren und eine einst gesteigerte
Lebensqualität verkehrt sich allmählich ins Gegenteil. Diese regressive Entwicklung
erscheint als ein Resultat der Missachtung ganzheitlicher Existenz-zusammenhänge, ein
Ergebnis vereinzelnder Wahrnehmungen und Denkprozesse.
Die Achse, um die dieses Dilemma rotiert, ist das Wertbewusstsein, die Wünsche des
Einzelnen und der gesamten westlichen Kultur. Das Streben nach Zufriedenheit, nach
Befriedigung durch das Anhäufen materieller Güter. Was aber ist wenn wir entdecken, dass
Zufriedenheit keine Eigenschaft der Dinge ist, die wir erstreben, sondern die unseres
eigenen Geistes, unseres eigenen Bewusstseins?

Schon vor 2000 Jahren sah die Yoga-Lehre die Ursache für den Missstand des Menschen in
seiner Umwelt im menschlichen Geist, weil dieser durch sein ruheloses Fordern, Begehren,
Zweifeln und Irren die naturgegebene Einheit stört. Das philosophische Denken der, Inder
kreiste von jeher um die Frage: "Wie kann der Mensch mit sich seiner Umwelt und den Welten
über sich in Harmonie leben?" Dabei Kristallisierte sich ein monistisches Weltbild heraus,
dass alles Seiende auf ein einheitliches Grundprinzip zurückführt. Demnach ist das
individuelle Bewusstsein ein Teilausdruck des kosmischen Bewusstseins, das Grundlage des
gesamten manifestierten Universums ist.
Das ständige Suchen nach einer letzten Einheit, ist das Hauptmotiv der vedischen
Religionsphilosophie ( 2000 v. Chr.). Hier gelten alle Gegensätze als bloß phänomenal,
also prinzipiell auflösbar. Die Besonderheit der vedischen Philosophie besteht darin, das
sie dem Menschen selbst und nicht irgendwelchen Göttern zutraut, die vollkommene Einheit
im Inneren und Äußeren durch eigenes Bemühen wieder herzustellen und zu bewahren.
Das Wort Yoga, von der aItindischen Schriftsprache Sanskrit hergeleitet, bedeutet aus
diesem Zusammenhang heraus das binden des Menschen in die kosmische Harmonie. In diesem
Kontext entwickelte sich die Yoga-Lehre zu einer Wissenschaft, die eine Vielzahl möglicher
Wege zum Erreichen ihres Ziels aufzeigt und trotz ihres hohen Alters die Wissenschaft
heute noch in Erstaunen versetzt.
Einer der ältesten, systematischen Wege in die kosmische
Gesamtharmonie ist die Meditation.
Das Wort Meditation (lateinisch "meditatio") bedeutet Nachsinnen bzw. Nachdenken und
entspricht der philosophischen Haltung des Menschen gegenüber dem Sein. Die Anwendung
dieses verschwommenen Begriffs auf die psychologisch und konkret zu fassenden
Psychotechniken, wie sie Raja-Yoga oder auch Zazen vermittelt, hat sich leider
international durchgesetzt. Meditation bedeutet im Raja-Yoga eher eine wache psychische
Anstrengung im Sinne einer passiven Konzentration auf ein äußeres oder inneres Objekt mit
der Folge automatisch eintretender Ganzheitserlebnisse. Mit passiv ist das Vermeiden jeden
Agierens im Denken gemeint und Konzentration soll das Halten, Sammeln bzw. als nicht
Loslassen der Aufmerksamkeit aufgefasst werden.
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