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Raja-Yoga nach Patanjali
Um eine systematische Grundlage zur Meditation zu schaffen, verfasste Patanjali (indischer
Gelehrter um Chr. Geb.) vor dem Hintergrund der Veden und der Sankhya Philosophie 185
Aphorismen, die bis heute als Grundlage des gesamten Yoga-Systems gelten. Zur Orientierung
dienen den meisten Yoga-Schulen acht Punkte dieser Sutren, von denen fünf der Vorbereitung
auf die Meditation dienen. In den verschiedenen Yoga-Schulen wird der achtgliedrige Pfad meist im Kontext kulturgebundener Religionspsychologie vermittelt. Darauf ist hier aus
Gründen religiöser Neutralität verzichtet worden.
Die Vermittlung meditativer Techniken soll hier eher im Sinne der Überschreitung
kultureller Grenzen zur ganzheitlichen Entfaltung menschlicher Anlagen verstanden werden.
Insofern dient Meditation hier nicht der Vereinigung des Individuums mit einer bestimmten
Gottvorstellung, sondern der Befreiung des evolutionären Potentials im menschlichen
Bewusstsein.

Die Grundsätze
Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana, und Samadhi
sind die acht Glieder der
RayaYoga.
Neben Yama und Niyama, den sozial- und individualhygienischen Regeln des Yoga, bildet
Asana bzw. die Körperhaltung eine wichtige Komponente der Meditation.
Grundsätzlich wird für die Meditation eine stabile, bequeme Sitzhaltung gefordert, wobei
eine aufrechte Wirbelsäulenhaltung gewährleistet sein soll. Abgesehen von einer minimalen
Haltefunktion im Ausbalancieren der freien Sitzhaltung sollte die Skelettmuskulatur
entspannt werden. In diesem Zusammenhang empfohlene Sitzhaltungen sind Padmasana
(Lotossitz) oder Vajrasana (Fersensitz). Die Meditation Wird frei sitzend, und nicht
angelehnt oder gar liegend durchgeführt, weil die Haltung dem Wachzustand entsprechen soll
und jedes Zusammensacken oder Wegknicken des Oberkörpers dem Meditierenden eine
Veränderung der wachbewussten Aufmerksamkeit signalisiert. Diese Haltung sollte, dem
europäischen Zeitmangel entsprechend, mindestens eine Stunde schmerzfrei gehalten werden
können. Für die Desensitivierung bzw. den Abbau von altem Stress ist die fortschreitende
Senkung des Skelettmuskeltonus von großer Bedeutung.
Nachdem das zur Meditation notwendige Asana beherrscht wird, wird die Aufmerksamkeit auf
Pranayama gerichtet.
Pranayama setzt sich aus zwei Worten zusammen, aus Prana und Ayama. Prana meint die
Lebensenergie, die das Universum auf allen Ebenen durchdringt. Prana meint auch die
Energie, die bedingt, dass die materielle Welt, die wir wahrnehmen, erschaffen, erhalten
und zerstört wird. Prana ist die Kraft, die den Stoffwechsel der Zellen ermöglicht und die
Sterne bewegt. Ayama heißt Verlängerung, Ausweitung, Regulierung, Kontrolle und
Nicht-Zerstreuung. Pranayama meint also gleichermaßen das Ausdehnen, Regulieren,
Kontrollieren und Nicht-zerstreuen von Prana wie auch das freie Fließen dieser Energie in
unserem Organismus und in allem, was sich manifestiert.
Die Atemführung ist ein wesentlicher Schritt zur Beherrschung des Geistes. In einem
chinesischen Gleichnis zur inneren Wahrheit heißt es: " Der Wind bewegt die Oberfläche des
Wasser, so wird die Wirkung des Unsichtbaren sichtbar." Vergleicht man das Atemgeschehen
mit der Brandung des Meeres, so sind die mit jeder Woge ins Meer gespülten Sandkörner mit
Gedanken gleichzusetzen, die aus der Erinnerung ins Bewusstsein gespült werden. Die
Beherrschung des Atems ermöglicht also die Kontrolle der Gedanken.
Durch Beobachtung der Spontanatmung und darauf folgende atemsensibilisierende Übungen
werden zuerst die Atembereiche des Körpers bewusst gemacht. Die dann folgenden Übungen wie
Mula-Bandha, Uddiyana-Bandha und Jalandhara-Bandha dienen der, Atem- und Energieführung in
den Pranayamas. Kapalabhati ist eine weitere Übung, deren Ausführung den Pranayamas
vorausgehen soll um eine unnötige Gefährdung des Übenden auszuschließen. Erst nach der
Beherrschung dieser Vorübungen soll mit der eigentlichen Übung der Pranayamas begonnen
werden. Da es nicht, gefahrlos ist, diese Übungen ohne Anleitung zu praktizieren, sind sie
hier nicht weiter ausgeführt.
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